Was ist ein Schenkelbruch?

Ein Schenkelbruch (Femoralhernie) ist ein Bauchwandbruch unmittelbar unterhalb des sogenannten Leistenbandes – dort, wo die großen Blutgefäße des Beines (Venen und Arterien) in die Bauchhöhle eintreten. An dieser Stelle besteht von Natur aus eine Öffnung, durch die bei geschwächtem Bindegewebe und erhöhtem Bauchinnendruck Gewebe oder Darmschlingen nach außen drängen können.

Anders als beim Leistenbruch – der oberhalb des Leistenbandes liegt – kann eine Schenkelhernie in der Regel nicht zurückgedrückt werden. Die Bruchlücke ist bei dieser Hernienart vergleichsweise klein, was das Einklemmungsrisiko deutlich erhöht.

Wen betrifft der Schenkelbruch?

Der Schenkelbruch betrifft anatomisch bedingt vor allem Frauen: Dreimal mehr weibliche als männliche Patienten sind betroffen. Der Grund liegt in der typisch weiblichen Beckenform, die die Öffnung unterhalb des Leistenbandes (Lacuna vasorum) weiter macht.

Beim Mann entsteht ein Schenkelbruch meist als Komplikation nach einer offenen Leistenbruch-OP, wenn die Naht die Femoralregion nicht vollständig abdeckt. Insgesamt macht der Schenkelbruch knapp 7 % aller Bauchwandbrüche aus.

Schenkelbruch vs. Leistenbruch: Leistenbruch: oberhalb des Leistenbandes, häufiger beim Mann, meist tastbare Beule. Schenkelbruch: unterhalb des Leistenbandes, häufiger bei der Frau, oft keine tastbare Beule – daher später erkannt und häufiger bereits bei Diagnosestellung eingeklemmt.

Schenkelbruch Symptome: Was ist typisch?

Der Schenkelbruch ist diagnostisch besonders tückisch, weil seine Symptome von den typischen Hernienzeichen abweichen. Viele Betroffene sind zunächst vollkommen beschwerdefrei.

  • Leistenschmerzen – oft ausgeprägter als beim Leistenbruch, können in die Oberschenkelinnenseite ausstrahlen
  • Keine oder kaum tastbare Vorwölbung – besonders bei übergewichtigen Patientinnen häufig kein äußeres Zeichen
  • Druckgefühl oder Ziehen in der Leiste, besonders bei Belastung
  • Plötzlich starke Bauchschmerzen – Hinweis auf mögliche Einklemmung

Warum wird der Schenkelbruch so häufig spät erkannt?

Da eine sichtbare Vorwölbung oft fehlt und die Schmerzen uncharakteristisch sind, wird der Schenkelbruch von Betroffenen und manchmal auch von Ärzten zunächst nicht als Hernie erkannt. Besonders bei übergewichtigen Patientinnen ist der Tastbefund schwierig. Häufig ist die Hernie bei der Erstdiagnose bereits eingeklemmt.

Aus diesem Grund ist der dynamische Ultraschall bei der Schenkelbruch Diagnostik besonders hilfreich: Er zeigt die Bruchlücke auch dann, wenn sie weder sicht- noch tastbar ist. Ohne Ultraschall kann die Diagnose leicht übersehen werden.

Schenkelbruch Risikofaktoren: Wer ist gefährdet?

  • Weibliches Geschlecht – anatomisch bedingt weitere Lacuna vasorum
  • Höheres Lebensalter und Bindegewebsschwäche
  • Frauen nach mehrfachen Schwangerschaften
  • Übergewicht
  • Chronischer Husten, wiederholtes Pressen, schweres Heben
  • Vorangegangene offene Leistenbruch-OP beim Mann

Schenkelbruch Notfall: Einklemmung

Warnsignal / Notfall: Wenn plötzlich starke Schmerzen in der Leiste oder im Bauch auftreten – besonders wenn bereits ein Schenkelbruch bekannt ist – sofort den Notarzt rufen (112). Das Einklemmungsrisiko beim Schenkelbruch ist deutlich höher als bei anderen Hernien. Bei Einklemmung ist die Blutversorgung des Darms innerhalb weniger Stunden gefährdet. Das ist ein chirurgischer Notfall.

Schenkelbruch Symptome: Zusammenfassung

  • Oft keine tastbare Beule – Diagnose ohne Ultraschall schwierig
  • Leistenschmerzen, häufig stärker als beim Leistenbruch
  • Plötzlich starke Schmerzen: immer an Einklemmung denken!
  • Betrifft vor allem ältere Frauen – anatomisch bedingt
  • Frühzeitige Diagnose durch dynamischen Ultraschall wichtig

Wie wird ein Schenkelbruch diagnostiziert?

Tastuntersuchung

Der Arzt untersucht die Leistenregion im Stehen und im Liegen, mit Hustentest. Bei Schenkelhernien ist der Tastbefund jedoch schwierig: Die Bruchlücke liegt tiefer und ist kleiner als beim Leistenbruch. Eine sichtbare oder tastbare Vorwölbung fehlt häufig – besonders bei übergewichtigen Patientinnen.

Dynamischer Ultraschall – entscheidend beim Schenkelbruch

Der dynamische Ultraschall ist beim Schenkelbruch besonders wichtig, weil eine klinische Untersuchung allein nicht ausreicht. Die Sonografie zeigt die Bruchlücke unterhalb des Leistenbandes präzise – auch wenn sie nicht tastbar ist – und klärt, ob bereits Darminhalt eingeklemmt ist.

Quelle: hernie.de/schenkelbruch/ – "Dem dynamischen Ultraschall kommt hier also eine besondere Rolle zu [...] Die dynamische Ultraschalluntersuchung ermöglicht eine besonders präzise Lokalisation sowie Feststellung von Größe und Beschaffenheit der Schenkelhernie."

Weitere aufwändige Bildgebung (MRT, CT) ist beim Schenkelbruch in der Regel nicht erforderlich.

Schenkelbruch Diagnostik: Zusammenfassung

 Tastuntersuchung im Stehen und Liegen – Befund oft schwierig, da Vorwölbung häufig fehlt

 Dynamischer Ultraschall – unverzichtbar, zeigt Bruchlücke auch ohne tastbaren Befund

 Besonders wichtig bei übergewichtigen Patientinnen

 Weitere Bildgebung (MRT, CT) in der Regel nicht erforderlich

 Bei Verdacht auf Einklemmung: sofortige Notaufnahme, keine Zeit verlieren