Wie stellt der Arzt einen Leistenbruch fest?
Anamnese (Gespräch)
Am Anfang steht das Gespräch. Der Arzt fragt: Seit wann besteht die Vorwölbung oder die Schmerzen? Bei welchen Aktivitäten treten Beschwerden auf – beim Heben, Husten, Sport? Gibt es Voroperationen in der Leistenregion? Gibt es Hernien in der Familie? Diese Angaben helfen, Risikofaktoren einzuschätzen und die Diagnose zu lenken.
Tipp: Notieren Sie sich Ihre Symptome und den Verlauf vorab – umso leichter fällt dann das Arztgespräch.
Tastuntersuchung
Der Arzt untersucht die Leistenregion im Stehen und im Liegen. Im Stehen ist eine Hernie häufig besser sichtbar, da der Bauchinnendruck höher ist. Der Patient wird gebeten zu husten oder zu pressen – so wird ein vorhandener Bruchsack sicht- oder spürbar.
Die Untersuchung wird auf beiden Seiten durchgeführt, da etwa 10–15 % der Leistenbrüche beidseitig auftreten – oft ohne, dass der Patient Symptome auf der zweiten Seite bemerkt hat.
Reponibilitätsprüfung
Der Arzt prüft, ob der Bruchinhalt zurückgeschoben werden kann. Ein reponibler Bruch – die Vorwölbung lässt sich sanft in den Bauchraum zurückdrängen – ist ein gutes Zeichen: keine akute Einklemmung. Gelingt dies nicht (irreponible Hernie), besteht Verdacht auf eine (beginnende) Einklemmung.
Untersuchung von Hoden und Genitalbereich
Bei Männern wird der Hoden und der Leistenkanal sorgfältig abgetastet, um festzustellen, ob der Bruchsack bis in den Hodensack reicht (Skrotalhernie).
Ausschluss anderer Erkrankungen
Ähnliche Schwellungen in der Leiste können auch durch vergrößerte Lymphknoten, Zysten, Gefäßerweiterungen oder selten Tumore entstehen. Eine sorgfältige Untersuchung und ein Ultraschall grenzen diese Differentialdiagnosen zuverlässig ab.
Welche Bildgebung wird eingesetzt?
Ultraschall (Sonografie) – Standardverfahren
Der Ultraschall ist das am häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren, um einen Leistenbruch zu diagnostizieren. Mit einem hochauflösenden Schallkopf wird die Leistenregion im Stehen und Liegen untersucht. Dabei wird die Lücke in der Bauchwand sichtbar. Außerdem zeigt der Ultraschall, ob sich Darm oder Fettgewebe im Bruchsack befinden und ob eine Einklemmung besteht bzw. droht. Vorteil der Ultraschalluntersuchung: Sie ist schmerz- und strahlungsfrei und damit beliebig wiederholbar.
Dynamischer Ultraschall: Beim dynamischen Ultraschall wird die Leiste sowohl in Ruhe als auch unter Belastung (Husten, Pressen) untersucht. Dieses Verfahren liefert besonders präzise Informationen über Lage, Größe und Beschaffenheit des Bruchs – und gilt als zuverlässigste nicht-invasive Methode zur Leistenbruchdiagnose.
MRT – bei unklaren Befunden
Eine MRT (Kernspintomografie) kann zum Einsatz kommen, wenn anhaltende Leistenschmerzen bestehen, aber kein Bruch tast- oder im Ultraschall sichtbar ist. Die Untersuchung kann sogenannte okkulte Hernien aufdecken – Brüche, die noch zu klein sind, um klinisch erkannt zu werden. Sie hilft auch, andere Ursachen auszuschließen: Muskelabrisse, Stressfrakturen, Hüftgelenksprobleme.
CT – bei komplexen Situationen
Eine CT (Computertomografie) wird bei Leistenbrüchen selten eingesetzt. Sie kommt vor allem bei komplexen Rezidivsituationen, sehr großen Hernien mit unklarer Anatomie oder in der Notfalldiagnostik bei Verdacht auf Einklemmung mit Darmbeteiligung zum Einsatz.
Was passiert nach der Diagnose?
Sobald die Diagnose Leistenhernie gestellt ist, bespricht der Arzt das weitere Vorgehen. In der Regel sollte die OP-Planung in absehbarer Zeit folgen. Bei einem eingeklemmten Leistenbruch ist eine sofortige Not-OP erforderlich!
Zusammenfassung: Diagnoseablauf
- Gespräch über Beschwerden, Dauer und Risikofaktoren
- Tastuntersuchung im Stehen und Liegen
- Prüfung der Reponibilität (zurückdrückbar oder eingeklemmt?)
- Ultraschall zur Bestätigung, Größenbestimmung und Differenzierung
- Selten: MRT oder diagnostische Laparoskopie
- Keine Strahlenbelastung bei Ultraschall und MRT
Medizinischer Hinweis: Diese Inhalte ersetzen keine ärztliche Diagnose. Jede tastbare oder sichtbare Schwellung in der Leiste sollte ärztlich beurteilt werden – auch ohne starke Schmerzen.