Wie stellt der Arzt einen Narbenbruch fest?

1. Anamnese

Das Gespräch klärt: Welche Operationen sind erfolgt? Wann wurde operiert? Seit wann besteht die Vorwölbung? Nehmen die Beschwerden zu? Gibt es Schmerzen oder Verdauungsprobleme? Vorerkrankungen wie Diabetes, Leberzirrhose oder starkes Übergewicht sind für die Therapieplanung wichtig.

2. Inspektion und Palpation

Größere Narbenbrüche sind oft auf den ersten Blick sichtbar – als Vorwölbung im Narbengebiet, die beim Aufrichten, Husten oder Pressen deutlicher wird. Der Arzt tastet die Bruchlücke ab, beurteilt deren Größe und prüft, ob der Inhalt zurückdrückbar ist (reponibler Bruch). Ein nicht reponibler Narbenbruch erfordert zügige weitere Abklärung.

3. Ultraschall – Standardverfahren

Der Ultraschall bestätigt den Befund und liefert präzise Informationen: Wie groß ist die Bruchlücke? Was befindet sich im Bruchsack – Fettgewebe oder Darm? Sind mehrere Lücken vorhanden? Die Sonografie ist schmerz- und strahlungsfrei und sollte bei jedem Patienten mit Verdacht auf Narbenbruch durchgeführt werden.

Wann ist eine CT erforderlich?

Bei kleinen bis mittelgroßen Narbenbrüchen reichen Tastuntersuchung und Ultraschall. Eine Computertomografie (CT) ist erforderlich, wenn:

  • Die Bruchlücke größer als 10 cm ist
  • Ein Loss of Domain vermutet wird (mehr Darminhalt außerhalb als innerhalb der Bauchhöhle)
  • Die Anatomie durch Voroperationen unklar ist
  • Multiple Bruchlücken vermutet werden
  • Eine komplexe OP geplant wird und die exakte Volumenmessung benötigt wird

Loss of Domain – was bedeutet das?: Wenn so viel Darm und Gewebe dauerhaft im Bruchsack liegen, dass die eigentliche Bauchhöhle kleiner ist als der Bruchsack, hat der Bauchinhalt sein "Heimatrecht" in der Bauchhöhle verloren. In dieser Situation können die Organe nicht einfach zurückgedrückt werden – die OP erfordert besondere Vorbereitung, manchmal auch eine vorherige Botox-Infiltration der Bauchmuskulatur.

Was wird bei der Diagnose außerdem beurteilt?

Anzahl und Lage der Bruchlücken

Narbenbrüche haben häufig mehrere Lücken – manchmal entlang der gesamten Narbe verteilt. Jede Lücke muss bei der OP versorgt werden. Ultraschall und CT ermitteln Anzahl und Lage zuverlässig.

Beschaffenheit der Haut und des Narbengewebes

Hautveränderungen, Entzündungen oder Mazeration (Aufweichung) über dem Bruchsack können auf Dringlichkeit hinweisen und beeinflussen die Wahl des OP-Zeitpunkts und -Verfahrens.

Allgemeiner Gesundheitszustand

Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes, Leberfunktion und kardiopulmonale Belastbarkeit werden erhoben. Sie bestimmen maßgeblich, welches OP-Verfahren möglich und sicher ist – und ob eine Vorbereitung (z. B. Gewichtsreduktion, Raucherentwöhnung) vor dem Eingriff sinnvoll ist.

Wie lange sollte man nach der Voroperation warten?

Liegt keine Notfallsituation vor, sollte die ursprüngliche Bauchoperation mindestens 3–6 Monate zurückliegen, bevor der Narbenbruch operiert wird. Das stellt sicher, dass die ursprüngliche Narbe gut ausgeheilt ist und optimale Gewebeverhältnisse für die erneute OP bestehen.

Narbenbruch Diagnose: Zusammenfassung

  • Tastuntersuchung erkennt größere Brüche direkt
  • Ultraschall: bestätigt Diagnose, zeigt Bruchlückengröße und Inhalt
  • CT: bei Bruchlücken über 10 cm und bei Verdacht auf Loss of Domain notwendig
  • Mehrere Bruchlücken entlang der Narbe sind häufig – alle müssen bei der OP versorgt werden
  • Voroperation sollte 3–6 Monate zurückliegen, außer bei Notfall
  • Frühe Diagnose = kleiner Bruch = einfachere Operation