Nabelbruch OP: Muss wirklich operiert werden?
Bei Erwachsenen ja – in der Regel. Anders als bei Kindern schließt sich ein Nabelbruch beim Erwachsenen nie spontan. Ohne Behandlung wird er größer, und das Risiko einer Einklemmung bleibt dauerhaft bestehen. Auch wenn die typischen Symptome harmlos wirken, raten spezialisierte Ärzte deshalb:Jeder Nabelbruch beim Erwachsenen sollte ärztlich abgeklärt und in den meisten Fällen operiert werden.
Bei sehr kleinen, beschwerdefreien Nabelbrüchen kann in Ausnahmefällen abgewartet werden – aber nur mit engmaschiger ärztlicher Kontrolle. Denn paradoxerweise haben kleine Bruchlücken (unter 1,5 cm) ein höheres relatives Einklemmungsrisiko als große, weil die enge Öffnung wie eine Schlinge wirken kann.
Nabelbruch OP: Warum wird fast immer ein Netz eingesetzt?
Ein Nahtverschluss ist nur bei sehr kleinen Nabelbrüchen mit einer Bruchlücke unter 1,5 cm sinnvoll – und auch dann nur bei schlanken, jüngeren Patienten. Bei größeren Defekten steigt die Rückfallrate ohne Netz auf 10–30 %. Mit einem korrekt platzierten Kunststoffnetz wird sie auf ein Minimum reduziert.
Moderne Herniennetze sind aus hochverträglichem, leichtgewichtigem Material gefertigt. Das Risiko von Abstoßungen oder Allergien ist extrem gering.
Entscheidend ist jedoch, wo das Netz platziert wird: Liegt es außerhalb der Bauchhöhle – zwischen Bauchfell und tragender Bauchwand – hat es keinen Kontakt zu den Eingeweiden und muss nicht mit Klammern oder Tackern fixiert werden. Das reduziert Komplikationen und chronische Schmerzen erheblich.
Nabelbruch OP-Verfahren im Überblick
Nahtverschluss – nur bei sehr kleinen Brüchen
Bei einer Bruchlücke unter 1,5 cm kann ein Nahtverschluss ohne Netz ausreichen. Über einen kleinen, halbmondförmigen Schnitt um den Nabel wird dann der Bruchsack zurückverlagert und die Lücke vernäht. Dieses Verfahren ist technisch einfach, aber auf sehr kleine Hernien bei schlanken Patienten beschränkt. Bei größeren Defekten oder Übergewicht ist das Rückfallrisiko zu hoch.
MILOS / eMILOS – minimalinvasiv, Netz außerhalb der Bauchhöhle
MILOS steht für Mini or Less Open Sublay Operation. Es ist das erste Verfahren weltweit, mit dem ein Kunststoffnetz minimal-invasiv außerhalb der Bauchhöhle platziert werden kann. So verbindet die MILOS-Operation die Vorteile der offenen Sublay-Technik mit dem Vorteil kleiner Schnitte.
Das Prinzip der MILOS-OP:
Über einen oder wenige kleine Hautschnitte wird der Raum zwischen Bauchfell und Bauchwand präpariert. Das Netz wird in diese günstigste anatomische Schicht eingebracht und liegt dann dort fest – ohne Klammern, Tacker oder Nähte zur Fixierung. Der natürliche Bauchinnendruck hält es an Ort und Stelle. Über dem Netz werden die Bruchlücken anatomisch korrekt verschlossen. Eine Variante ist eMILOS (endoskopische MILOS): Hier wird der Präparationsraum zusätzlich mit CO2-Gas aufgefüllt und endoskopisch eingesehen. Beide Varianten sind für Patienten gleich schonend.
Vorteile der MILOS-OP auf einen Blick: Kleine Hautschnitte – minimal-invasiv, gute kosmetische Ergebnisse Netz liegt außerhalb der Bauchhöhle – kein Kontakt zu den inneren Organen Keine Klammern oder Tacker – geringeres Risiko für Nervenschädigungen und chronische Schmerzen Anatomisch korrekter Verschluss der Bruchlücke über dem Netz Studien belegen signifikant weniger akute und chronische Schmerzen sowie Wiederholungsbruchraten unter 2 % nach 5 Jahren Geeignet für Nabelbrüche, Narbenhernien und Rektusdiastasen
Offene Sublay-OP – bewährte Alternative bei komplexen Situationen
Bei der offenen Sublay-Technik wird das Netz über einen größeren Bauchschnitt in dieselbe günstige anatomische Schicht eingebracht wie bei MILOS – zwischen Bauchfell und Bauchwand. Der wesentliche Unterschied: Der Zugang ist deutlich größer. Das Verfahren ist erprobt und liefert gute Langzeitergebnisse, ist aber mit einer längeren Wundheilung verbunden.
Bei sehr großen Nabelbrüchen (Bruchlücke über 10–15 cm), bei denen die minimal-invasive MILOS-Technik an ihre Grenzen stößt, bleibt die offene Sublay-OP oft die erste Wahl. Auch bei Riesenhernien werden jedoch im Idealfall die Prinzipien der MILOS-OP angewendet: so kleine Schnitte wie möglich, Netz außerhalb der Bauchhöhle.
Laparoskopisches IPOM – Netz innerhalb der Bauchhöhle
Beim laparoskopischen IPOM (Intraperitoneale Onlay Mesh) wird das Netz über drei kleine Bauchschnitte direkt in die Bauchhöhle eingebracht und mit speziell beschichteten Netzen gegen die Eingeweidewand positioniert. Das Netz muss mit Klammern oder Nähten fixiert werden.
Der Nachteil gegenüber dem MILOS-Verfahren: Das Netz liegt innerhalb der Bauchhöhle, in direktem Kontakt mit den Eingeweiden – was ein erhöhtes Risiko für Verwachsungen und chronische Schmerzen bedeutet.
Fazit: Wo MILOS möglich ist, wird IPOM heute seltener eingesetzt.
Nabelbruch OP: Welches Verfahren ist das richtige für mich?
Die Wahl hängt von der Bruchlückengröße, dem Körpergewicht, Voroperationen und der Erfahrung des Chirurgen ab. Als Orientierung:
- Bruchlücke unter 1,5 cm: Nahtverschluss möglich – bei schlanken, jüngeren Patienten
- Bruchlücke 1,5–10 cm: MILOS oder eMILOS bevorzugt – minimal-invasiv, Netz außerhalb der Bauchhöhle
- Bruchlücke über 10–15 cm: offene Sublay-Technik oder MILOS-Prinzipien mit größerem Zugang
- Gleichzeitige Rektusdiastase: MILOS kann beides in einem Eingriff versorgen
- Nabelbruch in Schwangerschaft: OP in der Regel nach der Geburt, außer bei drohender Einklemmung
Wichtiger Hinweis zur Wahl des Hernien-Chirurgen: Die Qualität des Ergebnisses hängt wesentlich von der Erfahrung des Operateurs ab. Fragen Sie gezielt: Wie viele Nabelbruch-OPs führt das Zentrum pro Jahr durch? Welche Verfahren werden angeboten? Werden Ergebnisse im Herniamed-Register dokumentiert? Ein erfahrener Hernienspezialist erklärt auch, ob eine sofortige OP nötig ist oder abgewartet werden kann.
Nabelbruch OP: Besonderheiten bei gleichzeitiger Rektusdiastase
Nabelbrüche treten häufig gemeinsam mit einer Rektusdiastase auf – einem krankhaften Auseinanderweichen der geraden Bauchmuskeln, oft nach Schwangerschaften oder bei starkem Übergewicht.
Wenn eine Nabelbruch-OP geplant ist und gleichzeitig eine ausgeprägte Rektusdiastase vorliegt, sollten beide Befunde im selben Eingriff versorgt werden. Wird nur der Nabelbruch operiert, ohne die Rektusdiastase zu behandeln, ist das Rückfallrisiko für den Nabelbruch deutlich erhöht.
Nabelbruch OP: Qualitätssicherung und Herniamed-Register
In Deutschland können Kliniken ihre Nabelbruch-OPs im Herniamed-Register dokumentieren – einem Qualitätssicherungsinstrument, das Komplikations- und Rückfallraten klinikspezifisch erfasst. Patienten werden auch ein, fünf und zehn Jahre nach der OP befragt. Die Teilnahme ist ein Zeichen für Qualitätsorientierung. Beim Wählen eines Hernienzentrums lohnt es sich, gezielt danach zu fragen.
Warnsignal / Notfall: Notfall: Wenn die Vorwölbung am Nabel plötzlich hart wird, sich nicht mehr zurückdrücken lässt und starke Schmerzen mit Übelkeit oder Erbrechen auftreten – sofort den Notarzt rufen (112). Das sind Zeichen einer Einklemmung. Sie erfordert eine sofortige Notoperation.
Nabelbruch OP-Verfahren: Zusammenfassung
- Nahtverschluss: nur bei sehr kleinen Brüchen unter 1,5 cm – bei größeren Defekten unzureichend
- MILOS / eMILOS: minimal-invasiv, Netz außerhalb der Bauchhöhle – heute bevorzugtes Verfahren bei den meisten Nabelbrüchen
- Offene Sublay-OP: bewährt, besonders bei sehr großen oder komplexen Hernien
- Laparoskopisches IPOM: Netz in der Bauchhöhle – wo MILOS möglich, seltener eingesetzt
- Gleichzeitige Rektusdiastase immer im selben Eingriff mitversorgen
- Erfahrenes Hernienzentrum wählen – Ergebnisse im Herniamed-Register dokumentiert

